Augsburger Allgemeine

Mai 2003

Beim Line Dance darf nicht aus der Reihe getanzt werden.
Zu jedem Lied gibt es einen eigens einstudierten Tanz.

Adolf Fischer aus Meitingen ist nicht nur ein begeisterter
Line Dancer im neuen Vereinsheim in Heretsried.
Er hat Fensterbänke und
vieles mehr mit amerikanischen Symbolen bemalt.

Der Wilde Westen tanzt in Heretsried
Die Crazy Boots haben in über 1000 Stunden das eigene Vereinsheim hergerichtet-Aufruf zum Mitmachen

Heretsried

Fast sechs Jahre ist es nun her,
dass sich in Heretsried
22 begeisterte Country-Fans zu
sammen taten und einen Verein für Line Dance gründeten: die
Crazy Boots West
wood Line Dancers. Jetzt tanzen schon 112 Menschen auf Country-Music in der alten Schule in Heretsried, dem in Eigenarbeit renovierten Vereinsheim.

Der amerikanische Line Dance
(zu deutsch: Reihentanz) wird immer in Reihen hinter- und nebeneinander getanzt. Jeder tanzt für sich, aber alle die gleichen Schritte, denn für jedes Lied gibt es einen extra einstudierten Tanz.

 Und die Kinder sind gleichzeitig unser Nachwuchs", berichtet Vorsitzende Andrea Nieberle, auf deren Engagement auch die Gründung des Vereins zu­rück geht. „Der Vorstand wurde inzwischen zum dritten Mal wieder gewählt. Das ist wohl ein gutes Zeichen. Wir sind inzwischen auch ein eingefleischtes Team. Da flutscht alles", meint Andrea Nieberle lachend.

Einrichtung im Western-Stil

Das vorige Jahr war ein hartes Jahr für die Crazy Boots-Mitglieder. Der Verein musste sich neue Räumlichkeiten suchen. Nach einem Gespräch mit Heretsried

„Town Hall" ha­ben die Crazy Boots ihr Heim genannt. Bei den jungen Line Dancern ist derzeit die Musik Shania Twain angesagt. Ansonsten wird gespielt, was die aktuellen US-Country-Charts so bieten. Die Tanzschritte für jedes Lied besorgen sich die Crazy Boots aus dem Internet. „Diese Tanzschritte denken sich in den USA spezielle Choreographen aus. In dem Moment, wo die Verkaufszahlen eines Liedes steigen, muss ein Line Dance dafür her", berichtet Andrea Nieberle

Wer das Vereinsheim in der Heretsrieder Ortsmitte betritt, scheint in eine andere Welt zu kommen. US-Flaggen, riesige Cowboyhüte und Cowboystiefel sind zu sehen und es dominieren neben Holz die Farben rot-weiß­blau. Bis aus Untermeitingen, Königsbrunn und Buttenwiesen kommen die Vereinsmitglieder, um hier ihrem relativ gering verbreiteten Hobby nachzugehen. Der älteste Tänzer ist immer schon 65 Jahre alt, das „Tanzküken" Sarah erst zehn.

Bürgermeister Helmut Schuster bot sich das leer stehende alte Rathaus (Alte Schule) an. Über Monate wurde dann an jedem Wochenende in den Räumlichkeiten fleißig gearbeitet. 35 Leute renovierten so in mehr als 1000 Arbeitsstunden das erste eigene Vereinsheim.

Schön ist es geworden. Alles ist amerikanisch gehalten - sogar Tischdecken und Gardinen. Die Lampen wurden selbst gemacht und Fensterbänke von Vereinsmitglied Adolf Fischer aus Meitingen mit US-Flaggen und Symbolen aufwändig bemalt.

info
Am Freitag, 30.
Mai bieten die Crazy
Boots
ab 20 Uhr wieder einen
Line
Dance-Schnupperabend an. Sollten sich genügend Interessenten finden, wird es dann nach Pfingsten wieder einen Anfänger-Tanzkurs geben. Nähere Informationen gibt Andrea Nieberle unter Tel. 08293/6641

 „Ich war mal bei einem Schnupperabend und seitdem tanze ich mit, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Und was sagen die Schulkameraden zu so einem ausgefallenen Hobby? „Ich hab ihnen mal einen Tanz beigebracht. Das hat den meisten gut gefallen", berichtet Tatjana.
Ihr Vater legt bei den Crazy Boots die Musik auf und auch ihre Mutter tanzt mit. „Das Schöne am Linq Dance ist, dass man seine Kinder mitbringen kann, denn viele Erwachsene haben keinen Babysitter und können nur mit ihren Kindern weggehen.

Segen für die „Town Hall" in Heretsried

Das aufwändig renoviertes neue Vereinsheim der Crazy Boots Westwood Line Dancers in der alten Schule in Heretsried wurde eingeweiht und von Pfarrer Ivan Glic gesegnet. Zu den Feierlichkeiten mit anschließendem Tag der Offenen Tür kamen Bürgermeister Helmut Schuster, seine Gemeinderäte sowie Vertreter der Vereine.